Wiercher Syndrom, 2009

Als Wiercher Syndrom benannte Sebastian Bieniek das Ergebnis dessen, was aus seinen Beobachtungen der Plattform Facebook entstanden ist und das ausführlicher in dem Buch REALFAKE erklärt wurde.

Unter dem Namen Wiercher-Syndrom bezeichnete der Künstler ein Verhalten von Individuuen, welches aus Nachahmung des Verhaltens und Wertevorstellungen einer Gruppe besteht, mit dem Ziel Teil der nachgeahmten Gruppe zu werden.

Das Wiecher-Syndrom-Verhalten zeichnet sich oft dadurch aus, dass das Verhalten einer Gruppe selbst dann von einem Individuum übernommen wird, wenn es der bisherigen scheinbar unveränderlichen Logik und Wertevorstellung des Individuums widerspricht. 

Da mit dem Wiercher Syndrom ein Gruppen- und Systemwechsel einhergeht ist das nicht weiter erstaunlich, denn der scheinbarer Widerspruch besteht daraus nicht nur das Äußere sondern auch das Innere der Gruppe zu übernehmen. Das Wiercher Syndrom ist damit ein Identitätswechsel-Prozess. Da es nur die Frage der Identiät (Gruppenzugehörigkeit) beantworten will, ignoriert es oft andere Fragestellungen bzw. interpretiert sie so, wie es um die gewünschte Gruppenzugehörigkeit herzustellen, erforderlich ist.

Das Wiecher Syndrom ist dabei kein intellektueller, sondern vielmehr ein Darseins-Prozess. Es ist genauso bei den Menschen wie Tieren und selbst Anorganischem vorzufinden und lässt sich am besten mit diesem Satz "ein kleines Teil wird von einem grösseren Teil desselben angezogen" umschreiben. Diese Umschreiben gilt für nahezu alles. Gruppenverhalten, Schwerkraft, Meinungsbildung, Ideenbildung, Tierreich, Materie, Licht, u.v.m.

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Die Beschreibung des Ablaufs

Hier eine Kurzbeschreibung dessen, was als ein Spaß auf Facebook begann. Ernst wurde es übrigens erst anderthalb Jahre später (bei der Auswertung). Selbst der Vortrag Publikumsmagnet Viralkunst, der ein Jahr nach dem Feldversuch statt gefunden hat, war - wenn auch der erste Auswertungsversuch -  vor allem als ein Spaß gedacht. Insofern ist die Dokumentation als ein Feldversuch anzusehen, der zuerst gar nicht ein Feldversuch sein wollte.

In der Zeit vom 01.2009-06.2009 legte Sebastian Bieniek über 100 Fakeprofile von berühmten Persönlichkeiten auf Facebook an und verküpfte sie miteinander. Damit schiene das Fake-Profil von z. B. Robert de Niro, der mit dem Fake-Profil von Julia Roberts, und von vielen weiteren Superstars befreundet war, für viele als der "echte" Robert de Niro.
Schon nach kurzer Zeit wurde ein so hergestelltes Fakeprofil mit Freundschaftsanfragen überschüttet und verfügte nach wenigen Monaten über 5000 Freunde und damit Kontakte. Diese Kontakte wurden anschließend im Namen der Fakeprofile (z. B. Robert de Niro) zu bestimmten Handlungen angewiesen, die diese - ohne weiter darüber nachzudenken - allesamt befolgten, da ihnen eine Anweisung von einem Robert de Niro wichtiger war, als die Frage nach der Richtigkeit dieser (damit wären wir beim Wiercher Syndrom).


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